Marrakesch – das wahre Marokko

Marrakesch – das wahre Marokko

Es ist schon fast ein Jahr her, dass wir in Marokko waren. Das ich erst so spät darüber berichte liegt nicht etwa an Marrakesch, dieser wunderbaren Stadt die auch als Perle des Südens bekannt ist, sondern eher an der doch recht ernüchternden Woche die wir im Anschluss in Agadir verbracht haben. Dafür kann aber Marrakesch nichts und deshalb möchte ich euch hier lieber spät als gar nicht von unseren drei wunderbaren Tagen in den Souks berichten.

Wir landen gegen Abend in Marrakesch. Vorab hatten wir schon Kontakt mit dem super netten und hilfsbereiten Christoph aus dem Riad Andalla wo wir uns einquartiert haben. Unser Transfer erwartet uns am Flughafen und bringt uns in die Altstadt. Es wird bereits dunkel, auf den großen Straßen Richtung Altstadt kommen wir an Kamelen, Eselskarren, alten und modernen Autos vorbei. In die Altstadt selbst darf der Fahrer um diese Zeit nur noch mit einer entsprechenden Genehmigung und uns an Bord, bei dem Gedränge das rund um den Djemaa el Fna herrscht sind wir dafür mehr als dankbar. In einer kleinen Straße, nur wenige Meter vom Trubel auf dem Platz entfernt halten wir und es geht mit Sack und Pack in eine winzige Gasse. Wirklich winzig… und dann geht es rechts und wieder rechts und dann links… ich habe keine Ahnung mehr wo ich bin. Wir klopfen an einer unscheinbaren kleinen Tür die dann für uns geöffnet wird. Unser Fahrer verabschiedet sich und wir finden uns in unserem ganz bezaubernden Riad wieder. Man begrüßt uns mit Tee und Gebäck während wir auf Christoph warten.

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Der erscheint kurz darauf und erklärt uns erst einmal auf eine total herzliche Art, dass wir uns in seinem Gästehaus wirklich wie Gäste fühlen sollen. Das Ganze ist nicht unpersönlich wie in einem Hotel, es ist alles sehr herzlich. Christoph hat eine kleine Touristen Karte für uns dabei und markiert dort erstmal welche Bereiche Tagsüber und welche Bereiche auch Nachts sicher für uns sind. Er zeichnet uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für den nächsten Tag ein, warnt uns eindringlich wo und was wir als Touristen essen sollten. Kein Fisch – wir sind zu weit vom Meer entfernt und keine Küsse in der Öffentlichkeit! Das ist schwieriger als man denkt… Dann geht es auf unser Zimmer. Wart ihr schon mal in einem Riad? Das Ganze ist ein quadratisch angeleter Bau mit einer Art überdachtem Innenhof in der Mitte. Die Zimmer sind auf mehreren Etagen rundum laufend angelegt. Aufgrund der engen Bauweise in der Stadt hat das Zimmer selbst nur Fenster in Richtung Innenhof. Also sozusagen in den Innenbereich des Riads hinein. Die Türen werden nur mit einem Riegel verschlossen, trotzdem empfiehlt uns Christoph dass wir unsere Pässe und alle Wertsachen die wir nicht brauchen im Riad lassen – sein Team ist wie seine Familie, wir sollten uns keine Sorgen machen. Das ist für uns natürlich sehr ungewohnt, aber Sorgen mussten wir uns nicht machen – nichts ist verloren gegangen.

Für diesen ersten Abend hatten wir schon vorab das Hausdinner reserviert. Also gehen wir hoch auf die Dachterrasse und es verschlägt uns den Atem! Abgesehen davon, dass die Terrasse so wunderschön gestaltet ist – mit Sitzecken, Baldachinen, Pflanzen, Lampen – haben wir einen direkten 1a Blick direkt auf den Nachtmarkt.

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Und mit direkt meine ich direkt! Nicht „wenn man sich ein bisschen verrenkt kann man ihn zwischen den Häusern erahnen“, nein – direkt! Man sieht die rauchenden Grills, die Schausteller, alles duftet nach wunderbar gewürztem Essen und überall sind die Lichter der Stände. Das war definitiv einer der schönsten und beeindruckendsten Momente auf dieser Reise.

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Dann kommt das Essen – jetzt verstehe ich auch warum man dieses 24 Stunden im Vorraus reservieren musste. Die Zutaten werden alle frisch vom Markt geholt und die Tajinen stehen für mehrere Stunden auf dem Feuer. Es gibt zuerst eine Vorspeisenplatte mit verschiedenem gegrilltem Gemüse, dann kommen die Tajines mit Couscous, Gemüse, Oliven und Hähnchen. Ab diesem Moment ist klar, dass ich für Zuhause auch eine Tajine brauche. Als Dessert gibt es Joghurt mit Früchten. Dann geht es ab ins Bett, wir haben einen langen Tag hinter uns.

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Am nächsten Morgen regnet es, deshalb gibt es das Frühstück unten im Empfangsbereich von unserem Riad und nicht auf dem Dach. Es gibt diese leckeren marokkanischen Eierkuchen, Honig, Marmeladen, Brot und Obst. Alles an den Tisch gebracht, dazu Kaffee oder frischen Minztee.

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Dann machen wir uns auf in die Stadt – es gibt so vieles zu entdecken. Wir starten am Marktplatz. So früh am Morgen gibt es nur Saft und Wasserstände. Die ersten Schlangenbeschwörer trudeln ein und wir machen uns auf den Weg in die Souks. Schon nach wenigen Metern hängt dort ein halbes Rind mitten auf der Straße und ich mache den Fehler es zu fotografieren. Das gibt böse Schimpfe bis ich zeige, dass ich es gelöscht habe. Die Leute hier wollen nicht auf Fotos. Das merkt man überall und immer wieder – das ist natürlich ein bisschen schade, muss man aber einfach akzeptieren. Ich wäre auch nicht begeistert, wenn Touristenmassen mich jeden Tag im Büro am Schreibtisch ablichten würden.

Wir starten an der Medersa Ben Youssef – der alten Koranschule aus dem 14. Jahrhundert. Das Gebäude ist voll von wunderbaren Mosaiken und Schnitzereien. Einen Besuch hier sollte man auf keinen Fall verpassen.

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Von dort aus ziehen wir weiter ins Marrakesh Museum – es befindet sich im alten Mnebhi Palast und ist wunderschön angelegt. Der Palast selbst ist den Besuch schon wert – die tollen Mosaike an den Wänden sind wunderschön erhalten und restauriert worden, die großen Hallen sehr beeindruckend und von alten Kleidern vergangener Herrscher bis hin zu moderner Kunst kann man hier einiges entdecken.

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Mittags machen wir uns auf die Suche nach einem der kleinen Restaurants die uns empfohlen wurden. Als wir es nach langer Suche nicht finden (später haben wir den Eingang entdeckt – er lag etwas versteckt) entschließen wir uns an einem kleinen Straßenrestaurant zu essen. Weil wir keine Ahnung haben was wir bestellen sollen nehmen wir einfach das was die Herren am Nebentisch haben – die freuen sich riesig und versichern uns was für eine gute Wahl das ist. Es gibt eine Suppe, gefolgt von frischem Salat (den ich aus Vorsicht nicht esse), gegrilltem Gemüse und Hähnchen. Am Ende sind wir pappsatt und ziehen weiter zum Museum für Fotografie.

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Die Ausstellung ist wirklich sehenswert – einige der Fotos zeigen die Souks in den 30er Jahren. Es ist spannend wieviel und gleichzeitig wie wenig sich verändert hat.

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In den engen Straßen muss man ab und an beiseite springen wenn ein Motorrad mit Halsbrecherischem Tempo durch die vollen Gassen rast, oder Autos und Eselskarren sich auf den Millimeter um enge Kurven quetschen. Dabei wird auch schon mal die eine oder andere Ecke mitgenommen, was wir selbst erlebt haben. Das scheint man hier aber nicht so tragisch zu nehmen.

Langsam machen wir uns zurück auf den Weg zum Marktplatz. Hier sind die Aufbauarbeiten im vollem Gange. Immer mehr kleine Wagen mit Ständen strömen aus den Gassen auf den Platz. Es werden Dächer aufgespannt, „Spülbecken“ eingesetzt, Grillstellen aufgebaut und Waren ausgelegt.

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Leider sind auch zahlreiche Wagen mit kleinen Äffchen in lächerlichen Kleidern dabei. Die Babyaffen in winzigen Gitterkisten – es bricht mir fast das Herz. Aber so lange es noch zahlreiche Touristen gibt die da ihre Fotos machen wird das wohl auch so bleiben. Man wird immer wieder angesprochen ob man sich nicht mit Henna bemalen lassen möchte. Mein „nein“ wird aber ohne Probleme akzeptiert. Wir trinken in einem der Cafés am Markt eine Cola auf der Dachterrasse. Dann geht es zurück ins Hotel zum frisch machen. Mir ist langsam etwas flau im Magen. Beim Abendessen in einem kleinen Restaurant am Platz, wo wir wieder leckere Tajine bestellen, bekommen die bettelnden Kätzchen unter dem Tisch den Löwenanteil.

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In einer der wirklich wenigen – wenn nicht fast einzigen – Bars die Alkohol ausschenken trinken wir noch ein Glas Wein. Dann geht es zurück ins Riad. Am nächsten Morgen wollen wir wieder früh los.

Daraus wird leider nichts, mein Magen macht mir die Nacht zur Hölle. All das homöopathische Zeugs das mir in der Apotheke für die Reise mitgegeben wurde hilft mir kein bisschen weiter. Am Morgen frühstücken wir auf der Terrasse. In meinem Fall ist das ein vorsichtiges Nippen am Tee. Zum Glück erkennt Christoph den Ernst der Lage und versorgt mich mit ein paar Tütchen richtiger Medizin aus der Apotheke die er immer für den Notfall bereit hält. Damit geht es mir zwar noch nicht richtig gut, aber besser. Ob wir denn da gegessen hätten wo er es empfohlen hat? Für das „nein“ gibt es einen tadelnden Blick… ist ja nicht so, als hätte er uns nicht gewarnt.

Ich will trotzdem was von der Stadt sehen, wer braucht schon einen Kreislauf. Also machen wir uns auf den Weg in Richtung El Badi Palast. Zwischendurch brauche ich unbedingt eine Banane. Der Händler lacht weil wir nur eine möchten – so richtig scheint er nicht zu wissen was er dafür nehmen soll. Die handelsübliche Menge sieht wohl anders aus. Genug gejammert – lassen wir es einfach dabei, dass es mir den Tag nicht gut ging und die Straßen auf einmal gefühlt nicht mehr so gut gerochen haben.

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Im Palast angekommen fangen wir an das Gelände zu erkunden. Im Großen und Ganzen stehen hier nur noch die Außenmauern aus Lehm. Man fängt aber an die Gärten und einzelne Teile des Gebäudes zu rekonstruieren. Hier solltet ihr auf keinen Fall die Predigertreppe verpassen. Eine uralte Holztreppe die sehr gut erhalten und streng bewacht ist. Auch eine kleine Tour durch die unterirdischen Kammern und Gänge lohnt sich. Außerdem werden auf dem Gelände moderne Fotos von lokalen Künstlern ausgestellt, die diese zum Teil in Europa aufgenommen haben.

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Zum Abschluss steigen wir noch auf die Mauer – hier nisten die Störche. Rundum sieht man die Nester samt Bewohnern. Wir freuen uns, dass die Zugvögel Ende November schon hier angekommen sind.

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Es geht zum Mittagsschläfchen zurück ins Hotel – die Medikamente wirken aber recht gut. Also ziehen wir am Nachmittag wieder los. Diese Pause kostet uns leider den Besuch im Jardin Majorelle.

Wir entscheiden uns am Nachmittag für den Besuch der Saadier Gräber neben der Moschee al-Mansur. Ein bisschen Geduld braucht man, wir müssen immer wieder kurz anstehen – aber das ist es definitiv wert! Die Anlage hat ein großes und ein kleines Mausoleum und eine wirklich hübsche Gartenanlage.

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Eigentlich wollten wir noch in ein Café von dem aus man einen tollen Ausblick auf die Storchenmauer haben soll. Wir haben auch nach dem Weg gefragt, wurden ein Stück gebracht, haben ein kleines Trinkgeld gegeben um dann festzustellen, dass man keine Ahnung hatte und uns einfach zum Palastbezirk geschickt hat. Halb so wild, wir fahren mit dem Taxi zurück in Richtung Riad. Eine Tour durch die Souks – wir kaufen Gewürze so wie man es uns gesagt hat: „ich hätte gerne Ras el Hanout für xxx Dirham.“ Die Händler wollen zwar lieber, dass man Mengen nennt – aber so wird man am Ende nicht übervorteilt. Außerdem holen wir nach zahlreichen Verhandlungen in unterschiedlichen Geschäften eine Tajine. „Ob wir denn Zuhause offenes Feuer in der Küche hätten? Nein – oh… na es gelingt sicher trotzdem.“ Ein paar Schnickschnack Andenken werden geshoppt, dann geht es zurück zum Riad wo wir uns für den Besuch im Restaurant Pepe Nero fertig machen.

Es geht auch hier durch kleine, enge und dunkle Straßen bis wir am Restaurant ankommen.

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Dafür verbirgt sich im Innenbereich ein wahrer Palast. Springbrunnen, elegant eingedeckte Tische und gut gekleidete Herren im Service. Wir nehmen ein Menü das mein immer noch angeschlagener Magen wenig begeistert akzeptiert – dabei war es wirklich unglaublich lecker! Nach der marokkanischen Suppe zur Begrüßung habe ich Ente a l’orange, Bessere Hälfte nimmt das Filetsteak. Dazu ein Gläschen Wein, hier ist das erlaubt.

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Wir haben einen wirklich schönen letzten Abend – auch wenn der anschließende Weg durch die engen, dunklen Straßen doch ein bisschen gruselig ist.

Unser letzter Morgen bricht an – das Wetter ist besser und wir können auf der Terrasse frühstücken. Ich kann das Frühstück wieder genießen, dann laufen wir noch ein letztes Mal runter zur Koutoubia Moschee. Hier dürfen wir als Touristen nicht rein, aber zumindest von draußen können wir einen Blick auf das Gebäude werfen.

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Am späten Vormittag holt uns unser Transfer ab. Wir haben uns über das Riad einen vertrauensvollen Fahrer organisieren lassen. Für umgerechnet 100€ für uns beide zusammen geht es in einem modernen Van im Privattransfer runter an die Küste. Die Fahrt nach Agadir dauert in etwa 3,5 Stunden und die Landschaft ist wirklich abwechslungsreich und schön.

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Aus Agadir möchte ich euch hier nur eine Hand voll Fotos zeigen, keine Ahnung wo das Hotel die guten Bewertungen her hatte, aber das Restaurant war bei unserer Anreise bereits für die gesamte Woche ausgebucht, unser Zimmer war nicht sauber, das Essen so unspektakulär wie nur irgendwas, dank All inclusive sind die meisten Gäste vom Kaffee direkt auf Gin Tonic umgestiegen. Der wurde in schmutzigen Plastik-Bechern serviert und man musste furchtbar aufpassen – die zumeist russischen Gäste haben dem Barpersonal beigebracht 2/3 Gin mit einem Schuss Tonic zu mischen. Brrr…. Die Hotelanlage war super schön gestaltet, außen hui – innen pfui.

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Unser Highlight war dann wohl die kleine Runde auf dem Kamel Tobi durch die „Sahara“ – auch bekannt als Baustelle hinter den Dünen. Das war aber lustig, vor allem weil ich für Tobi ein paar Äpfel aus dem Hotel geschmuggelt habe. Einen Apfel hat sich sein Besitzer unter den Nagel gerissen. Das tat mir ein bisschen leid, ich hätte doch auch mehr mitgebracht.

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So ging es dann eine Woche später von Agadir direkt mit dem Flieger zurück nach Berlin. Und zumindest Marrakesch bleibt mir in wunderbarer Erinnerung und ist definitiv einen Besuch wert!